Beliebter als der Genuss von Alkohol, Zigaretten und Cheeroot, ist in Myanmar der Genuss der Betelnuss.
In Städten und Dörfern findet man überall in Gassen, auf dem Markt oder an Ecken Betel-Stände, in der Regel von jungen Frauen geführt, die Betelprieme anbieten.
Ein paar Stücke der zerhackten Betelnuss (Areca catechu) werden in das Betelblatt (Pfefferblatt, Piper betle) eingewickelt und mit flüssigem, gelöschtem Kalk bestrichen. Da diese Kombi-Packung bitter schmeckt, werden auf Wunsch weitere Gewürze hinzugefügt, die das Kauen und Lutschen versüßen und den Geschmackssinn reizen. Betelblatt, Kalk und Betelnuss sind somit die 3 Grundbestandteile des Betel-Priems. Je nach Geschmackswunsch des Käufers fügt die Verkäuferin unter den Augen des Käufers Kautabak, Anis, Kardamon, Zimt, Ingwer, Muskatnuss, Fenchel, Minze oder Lakritze (Glycyrrhiza glabra) hinzu.
Das Betelblatt kommt nicht von der Betelpalme, sondern vom Betelpfeffer. Betelblätter werden in verschiedenen Ländern S-O-Asiens als stimulierendes Mittel und Antiseptikum verwendet. Auch eine aphrodisierende Wirkung wird der Betelnuss nachgesagt. Betelpfeffer findet unter anderem als Heilmittel gegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Arthritis und Gelenkschmerzen, aber auch als Antibiotikum oder bei Verdauungsschwierigkeiten Verwendung.
Der Betelbissen wird entspannt gekaut, oft nach einer Mahlzeit, bei religiösen Festen, beim Autofahren oder bei Versammlungen und oft stundenlang im Mund gelassen. Die Wirkung dieses Betelbissens ist, dass sich der Kauer in einem Zustand des Wohlbefindens und leichter Angeregtheit befindet. Die physische und geistige Leistungsfähigkeit wird gefördert und Ermüdung verhindert.
In den Betelnusssamen kommen verschiedene Alkaloide vor. Das Hauptalkaloid Arecolin hat eine stimulierende Wirkung. Mit den Jahren des Genusses werden die Zähne angegriffen. Aufgrund des erhöhten Speichelflusses und der roten Färbung des Mundraums und der Zähne hat man bei Betelnuss-Kauern den Eindruck, dass ihr Mund voll Blut wäre, vor allem wenn sie den roten scharfen Saft in Abständen ausspucken. Diese kosmetischen Gründe haben dazu geführt, dass der Betelnusskonsum von Frauen und Besserverdienenden in der heutigen Zeit gemieden wird. In ländlichen Gebieten haben Betelnüsse jedoch bis heute eine große Verbreitung. Allerorts zeugen eingetrocknete Flecke von dem Saft des Betelkauens.